WORT/LAUT in Blogschrift

"Kreativ sein und sich entfalten wie ein Schmetterling durch die kühle Abendluft fliegen.
Wir schrieben die lauten, wirren Gedanken auf und bemerkten beim Vorlesen, dass sie gar nicht so wirr sind. Wir begegneten fremden Menschen mit Texten, die einmal Worte im Kopf waren.
Wie fasst man ein Gefühl in Worte, dass man fühlen muss, um es zu verstehen? Wenn es eine Emotionspalette gibt, Wort/Laut hat sie alle ausgelöst. Heilen durch schreiben?
Und während hier so wild geheilt und geschrieben wird, liege ich krank im Bett.
,Ich bin dafür nicht ausgebildet.´, ein Satz, den ich hier öfters dachte.
Wort/Laut ist sehr viel mehr leise, als ich es vermutet hätte."

Wort/Laut anhören
Kopie von Bunte Präsentation mit Fotos Weiterbildung Sommer-Akademie Design-3.jpg
Wort/Laut anhören 2

DIE ATELIERLEITERIN

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OLIWIA HÄLTERLEIN (sie) schreibt Texte für Magazine und Bücher, arbeitet als Dramaturgin an Theatern, gibt Workshops und Vorträge zu feministischen Themen und ist TedX Speakerin.

Ab Oktober 2022 schreibt sie am Deutschen Literaturinstitut DLL an ihrem ersten Roman. Sie findet, kreativ schreiben und öffentlich sprechen können alle Menschen lernen!

Website www.oliwiah.de

Oliwia´s notatka https://oliwia.substack.com

Instagram https://www.instagram.com/oliwia_strange/?hl=de

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Der allererste Eintrag in meinem Wort/Laut Buch:

Jetzt gerade frage ich mich, welchen Raum ich einnehmen möchte. Welchen Raum will ich annehmen. Ab wann fühle ich mich eingeengt, wann bin ich zu viel und wann bin ich zu wenig.

Jetzt gerade weiß ich nicht, was mich von Innen bewegt. Es rauscht, es purzelt, es ist durcheinander.

Jetzt gerade ist da Angst und Mut und Fragen und Antworten.

Jetzt gerade bin ich sicher und unsicher, weiß es nicht und will es wissen.

...

Was ich heute gefühlt habe… 

Ist ganz schön viel. Manchmal habe ich Angst viel zu viel zu fühlen, weil ich so viel fühle. Muss mich daran erinnern, dass alle Gefühle da sein dürfen, vor allem auch die anstrengenden und schlechten Gefühle. Daran, dass Gefühle nur eine Art Wegbeschreibung sind. Daran, dass man auf sein Bauchgefühl hören darf, ganz wichtig! Aber auch daran, dass man nicht jedes Gefühl zum Bauchgefühl werden lassen muss. Aber Achtung! Da kommt der Kopf dann mit dazu.

Was ist eine Wegbeschreibung? Und was möchte ich zur Wegbeschreibung umschreiben? Ein Gefühl ist erst einmal nur da, es ist real, echt, dein ganz alleiniges für einem kleinen Moment. Dann verändert es eventuell deine Laune und passt du nicht auf, wird es zu einem Knoten im Magen und du hast plötzlich vergessen wie man Schuhe bindet, und vor allem wie man sie wieder entbindet.

Manchmal wäre da Klettverschluss ganz nice. Habe oft das Gefühl, ich erlaube Gefühlen nicht da sein zu dürfen, wie sie in ihrer reinsten Form da sein wollen. Ich lasse sie oft zu einem Knoten werden. Und diesen Knoten verstehe ich dann nicht mehr. Habe vergessen wie man Schuhe bindet, und vor allem wie man sie wieder entbindet. Brauche Klettverschluss, der effektiv dann zu geht und mich hält, wenn ich ihn brauche, aber sich dann auch ganz leicht wieder öffnet, wenn er seinen Zweck erfüllt hat. 

...

Ich weiß es nicht

Ich weiß es nicht genau

Aber ich weiß, wie sich Mut anfühlt

Kann nicht sagen wohin, aber dafür wohin nicht

Im Stillstand keine Bedrohung sehen

Einen Standpunkt nicht im Treibsand finden

Mein Herz erkennt Vertrautes

Wo die See bricht, da werde ich gehalten 

 

...

Mein Lieblingserdbeerfeld

Mein Lieblingserdbeerfeld ist bei meinem Opa im Garten. Neben den Himbeeren gegenüber von den Brombeeren. Ich mag das so gerne, weil es bei meinem Opa ist. Es sind die besten Erdbeeren und mein Opa macht daraus die beste Marmelade. Als Kind war ich immer so glücklich und aufgeregt, wenn ich meinem Opa im Garten helfen durfte. Es war das schönste, wenn ich barfuß durch das Erdbeerfeld gelaufen bin und die schönsten Erdbeeren gefunden habe. Danach war ich voller Erde und mein Bauch voller Erdbeeren. Und vor allem war ich glücklich. Jahre später hat mein Opa mir erzählt, dass er die schönsten Erdbeeren immer für mich übriggelassen hat. Mein Opa ist nicht so gut darin Menschen zu sagen, dass er sie liebt. Aber er hebt die besten Erdbeeren auf und ich finde, dass das ein schönes „Ich habe dich lieb“ ist. Letztes Jahr hat mir mein Opa ein altes Hemd von sich gegeben, damit ich keinen Sonnenbrand bekomme, wenn ich im Garten helfe. Ich habe es behalten und trage es jetzt immer, wenn ich Mut brauche. Ich bin nicht so gut darin Menschen zu sagen, dass ich sie liebe. Aber ich trage geschenkte Klamotten als Mutmacher. Mein Opa versteht mein „Ich hab dich lieb“ und ich verstehe sein. Ich glaube manchmal braucht man nicht viel mehr als ein Erdbeerfeld und Liebe, die man versteht.

Mein Opa ist mittlerweile alt und etwas wackelig auf seinen Beinen. Irgendwann wird er sein Erdbeerfeld nicht mehr bepflanzen können. Das wurde mir bewusst, als vor einem Jahr meine Oma gestorben ist. Ich hatte Angst, dass mir vor lauter Trauer nie wieder Erdbeeren schmecken würden. Einfach, weil sie mich so sehr an meine Großeltern erinnern. Aber zwischen all der Trauer ist da auch immer das Schöne. Wenn man um etwas trauert, dann war es etwas sehr vertrautes. Erdbeeren schmecken mir immer noch sehr gut. Und wenn ich sie jetzt essen, dann hebe ich zwei auf. Die aller schönsten. Eine bekommt mein Opa und die andere lasse ich mir besonders schmecken und denke dabei an meine Oma.

Und das ist genau richtig so. Für meinen Opa, meine Oma und für mich.

Ich mag das Erdbeerfeld bei meinem Opa sehr gerne. Es ist ein bisschen Heimat, es ist ein bisschen Sicherheit. Und wenn mein Opa mal nicht mehr sein Erdbeerfeld bepflanzen kann, dann kann ich daran denken und glücklich sein, weil ich das schönste Erdbeerfeld der Welt bepflanzen konnte. Und dann hebe ich mir zwei Erdbeeren auf, denke an Oma und Opa und bin glücklich. Zwischen all den Erdbeeren zählt, dass man versteht wie viel man sich bedeutet. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass man sagen kann „Ich hab dich lieb“ sondern darum, dass man Erdbeeren aufhebt und Klamotten hat, in denen man sich mutig fühlt.

 

...

Sie tat mir leid. Furchtbar leid. Wie einsam und hilflos sie brüllte und schrie – und doch unterging, im großen Lärm und Trubel des Lebens. Gab es Momente, in denen sie gehört wurde – in denen ihr Bekannte und Unbekannte zeigten, dass sie gesehen, gehört, geschätzt wird? Sie konnte sich kaum an solche Zeiten erinnern, war sich aber auch nicht sicher, ob sie es merken würden, wenn ihr jemand Wertschätzung entgegenbrachte. Sie war es gewohnt für die leidenschaftlichen Beziehungen kämpfen zu müssen, sich die Liebe laut und voller Herzenskämpfe und Schreie verdienen zu müssen.

Doch diesmal war es anders. Noch nie davor hatte sie eine Frau gedated.
Alles kribbelte in ihr. Was zur Hölle war los mit ihr? Alles war auf einmal aufregend, alles fühlte sich so lebend an, so frei. Und irgendwie stand ihre Welt ganz schief nach dem Date.

Sie hopste ebenfalls etwas schief und unregelmäßig mit zittrigen Kribbelhänden zu sich nach Hause. Sie warf die Tür auf und sang ein schräges „Hallooooo“ ihrem blauen Jackenständer zu. Ohne zu zögern umarmte sie ihn und all ihre schweren Mäntel fest und fragte sich, ob sie noch ganz dicht war.

 

...

 

Was nun tun? Das Musikstück endet, im Auto kehrt ein ratloses Schweigen ein. Wieder zurückfahren um sich vor dem Unwetter im gemütlichen Haus zu schützen, ist keine Option. Karen wirft mir einen wilden Blick zu. Sie legt die Fingerspitzen tänzelnd auf den Türgriff, packt zu und schon steht die Autotür sperrangelweit offen, der Regen prasselt aufs Polster. Komm zurück, schreie ich. Du kannst nicht mitten in der Waschanlage einfach rausrennen, nur weil ich dich mit deinen Ängsten konfrontiere. Wir sind doch die Gruppe der dysfunktionalen Grenzüberschreitung.

„Leck mich doch“, schreit er zurück, während er patschnass durch die Waschstraße watet. „Ich habe keine Angst.“

„Hast du wohl“, schreie ich zurück.

„Wir haben alle Angst“. Ich gehe auf ihn zu und sehe ihn fest in das patschnasse Gesicht.

Ein Zucken durchläuft sein Gesicht. Er ist geschockt und gleichzeitig ruhig. In seinem Blick die Erkenntnis, dass ich Recht habe. „Wir sind alle Angsthasen“, flüstre ich nun mit bewegter Stimme. Aber ein Angsthase zu sein, das ist vielleicht gar nicht so schlimm. Da gibt es womöglich mehr Ruhe und Frieden den wir uns doch so sehr wünschen. 

 

...

Ein Geburtstag ist ein ganz besonderer Tag, einer an dem man vor allem Mamas sagt, warum man sie so gerne mag. Genau das würde ich dir gerne sagen, mag dich wegen so vielem, bin so dankbar ohne hinterfragen. Einen Text zu schreiben wirkt dann doch zu klein, versuche es mal zu beschreiben und da pack ich jetzt alles rein!

 

MAMA,

denke ich an dich, denen ich an einen ruhigen Ort, in der Natur, mit vielen großen, starken Bäumen. Bäume, an denen man seine Hängematte spannt, um den neuen Fitzgerald lesen zu können. Bäume, auf die Kinder ihre Baumhäuser bauen und Jugendliche heimlich hochklettern, um ihre Sorgen und generell ALLES mit den Bäumen zu teilen ohne Angst die Last sei zu schwer.

Die Bäume lassen genug Platz für ein paar Sonnenstrahlen, warme, helle Sonnenstrahlen, die dein Gesicht in der Reflektion der Sonne glänzen lassen und deine Mundwinkel nach oben ziehen.

Und gesammelt erschaffen diese warmen, hellen Sonnenstrahlen eine Lichtung, die groß genug ist, um darin zu tanzen.

Du tanzt, weil du so sein darfst, wie du bist. Mit einer bedingungslosen Ehrlichkeit zu dir, zu den Bäumen und der Lichtung, vertraust du dem Leben und lachst. Du lachst ganz viel, du lachst so viel, weil du so viel und so laut lachen darfst wie du willst.

In dieser Lichtung herrscht kein Schamgefühl, und für einen kurzen Moment denkst du, du bist ganz allein in dieser Lichtung. Doch der Schatten, lässt dich die großen, starken Bäume nicht vergessen.

Du weißt genau, sie sind da.

Du weißt genau, sie sind für dich da.

Du weißt genau, sie sind für dich da.

Und geben dir Halt falls du das Gleichgewicht beim Tanzen verliert.

Du weißt genau, dass sie dir genug Wärme und Licht schenken, um die Augen frei zu haben, aber Dank des Schattens wirst du nicht verbrennen. Du weißt ganz genau, dass sie dir trotz aller Freiheit, ein Gefühl von Zusammenhalt geben. Der perfekte Ort, um zu wachsen. Die großen, starken Bäume halten nichts davon perfekt zu erscheinen und dadurch weißt du, du musst es auch nicht. Es geht vielmehr darum zu sein. Und ich bin froh, dass du bist. Denn ohne dich, wäre da nicht ich. Ich liebe dich 

Du weißt genau 

 

...

 

Schwimmen

Als würden tausende Handschmeichler über deine Beine gleiten. 

Als würdest du die Füße weit oben in der Luft baumeln lassen, bloß dass die Luft schwer und träge ist. 

Als würdest du umarmt werden von seidigen Tüchern, die der Wind ganz sanft nah an deine Haut drücken. 

Als würdest du dich im Bett hin und her wälzen, winden, an einem knallend heißen Sommertag, nur dass es keinen Widerstand gibt. 

Als würdest du fallen, doch gleichzeitig gehalten werden von einem magischen Teppich. 

Als würdest du gestreift von vorbeizischenden Ästen, wenn du mit dem Fahrrad durchs Dickicht fährst.

...

Was ich heute berührt habe

das war in der Nähe von meiner Angst,

da wo das Atmen schwer fällt

und die Hände schon zittern

Was ich heute berührt habe

das was in der Nähe von meiner Wut

da wo der Kopf ganz heiß wird 

und die Hände sich schon zu Fäusten ballen

Was ich heute berührt habe,

das ist da wo die Fragen ohne Antworten sind 

wo die Dinge sind, die ich nicht verstehen kann

Was ich heute berührt habe,

das liegt zwischen Angst und Wut

es pocht ganz dumpf,

fast wie ein Herzschlag

aber halt doch nicht ganz

 

...

Oliwia hat aus „Dschinns“ von Fatma Aydemir vorgelesen und wir haben weitergeschrieben und zu der Textstelle assoziiert:

Sie hat eine Sonnenbrille auf. Eine große Sonnenbrille. Trägt sie die Sonnenbrille, damit man ihre Tränen nicht sieht? Damit man die Augen nicht sieht, die so sehr nach Halt suchen und sich dann doch wieder in sich selbst verlieren?

Sie betet. Aber sie weiß nicht was die Worte bedeuten. Tut das genauso weh, wie wenn man betet ohne zu wissen, an wen das Gebet gerichtet ist?

Ist sie gläubig, weil sie glaubt oder ist sie gläubig, weil sie es so gelernt hat?

Beten ohne den Inhalt zu kennen klingt ein bisschen wie sich selbst in den Schlaf zu schaukeln.

Gott vergibt. Aber vergebe ich mir?

Wenns hilft, dann hilft es. Das kann beten sein ohne den Text zu verstehen. Das kann beten sein, obwohl man nicht weiß, an wen man die Worte richten soll. Das kann sein sich selber in den Schlaf zu schaukeln. Wenns hilft, dann hilft es.

Steine werden vom Meer geschliffen

wie wir Menschen von Begegnungen.

Bei Steinen sind es die lauten Wellen

bei uns Menschen die leisen Emotionen

 

wenn Stille dich anschreit, dann tut dein Herz weh

wenn Stille friedlich ist, dann bist du in Sicherheit 

Stille kann lauter sein als jedes Geräusch 

und Leere kann Menschen ausfüllen,

bis sie daran ersticken

 

Behutsam den Sand entfernen 

ganz vorsichtig die kleinen Steine von dir streicheln 

wie ein Stirnkuss

sanft und zärtlich

was ich sagen will ist

ich beschütze dich

 

...

 

 

Er trägt einen Anzug, wahrscheinlich maßgeschneidert. Teuer. Aber auch gemütlich? Weiß ich nicht. Ich habe nichts maßgeschneidertes. Ich habe Jeans Hosen, die ich unten abschneide. Sonst sind sie mir zu lang. Quasi so halb maßgeschneidert. Aber auf jeden Fall gemütlich. Er hat einen ordentlichen Pferdeschwanz, das passt natürlich zum Anzug. Ich habe Locken und die sind wirklich nie ordentlich. Das passt zu den abgeschnitten Jeans.

Gibt es Maßschneiderung auch für die Seele? Keine Ahnung. Ich weiß ja auch nicht genau was die Seele ist. Das Leben irgendwie. Aber irgendwie auch nicht.

Maßgeschneidert für die Seele ist vielleicht Freundschaft. Nur eben in gemütlich. Man muss sich nicht erklären und seine Emotionen nicht ständig übersetzen. Und meinen Freunden muss ich nicht erklären, warum maßgeschneidert für mich so ungemütlich klingt.

Ich finde Gemütlichkeit immer wichtig.

Bei Klamotten und bei Menschen. Wenns gemütlich ist, dann passt es. Und das ist dann mein maßgeschneidert. Ein maßgeschneidertes Maßgeschneidert sozusagen.

Bei Klamotten die maßgeschneidert sind, da hätte ich Angst, dass sie mir schnell nicht mehr passen. Ich fürchte mich vor Veränderungen, da helfen mir Klamotten sicher nicht, in denen ich nicht wachsen kann.

Genauso wenig wie mir Menschen helfen, bei denen ich mich nicht verändern kann. Das ist ungemütlich und das mag ich ja nicht.

Bei dir fühle ich mich gemütlich.

Ich glaube, ich mag dich.

...

 

LiebesKunstBuch                                                                          25.05.2022

Ich bin dunkelrot und ja, es ist nicht anders zu sagen, ich bin wunderschön. 

Ich bin schon älter, die letzten Jahre verbrachte ich im Keller.  

Hier fühle ich mich gerade genau richtig am Platz, ganz angekommen.

Voll mit Wärme uns Liebe. Endlich nicht mehr unter der Erdoberfläche. 

Kann mich wer noch weiter in die Sonne schieben? Die kitzelt meinen Buchrücken so schön. 

Innig. Meine Beziehungen sind innig. 

Meistens habe ich vor allem eine Einzige. Eine sehr enge Beziehung. Das ist weniger kompliziert.  

Manchmal träume ich davon lauter zu sein. 

Und dann bin ich doch auch immer gerne wieder leise. 

Werde ich vergessen werden? Die Angst packt mich. 

Geheimnisse hüten, das kann ich richtig gut. Geschichten erzählen. 

In mir steckt so viel, das hält mich manchmal wach. 

Da platze ich fast vor Kribbeln, weil das manchmal einfach raus will. 

Wie könnte das denn alles raus. Wohin würde es dann. Und was würde dann wohl passieren. Frage ich mich oft. 

Nur für einen gewissen Zeitraum und dann werde ich auf ein Mal voll Sein. 

Dann kann ich meine Zeit am Morgen nicht mehr genießen. Wenn die Sorgen kleiner sind. 

Habe verarbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass der Zweck meiner Existenz zu viel ist.

                                                                                                                                  Lune There

...

 

Der Wiener Kohl Lada
Zieht langsam die Runden
Alle paar Stunden
Purzelt ein Kohlkopf hinaus
Alle paar Sekunden
Kocht jemand Kohl zuhaus'
Vor ein paar Stunden fiel irgendwo eine Pfanne runter
Auf dem Boden lauter bunter
Kohl

Kohl Erika ist ausser sich
Sie fegt nun auch das Restliche vom Tisch
Dann hält sie plötzlich inne,
Denn Kohl Katha's Hand ruht auf der ihren
Und so wird aus der ihren schieren
Verzweiflung nun wieder Harmonie
Sie bestellen Curry und vergessen das Chaos irgendwie
Und der Kohl? 
Der fühlt sich überall ganz wohl.

 

...

 

Wolkenlos

Sie wollte immer mehr dazu lernen, ihren Horizont erweitern.

Wollte anders werden – mehr werden, als man es ihr vorhergesagt hatte.

Der Sommerhimmel machte sie glücklich, denn, wenn sich ihr keine Wolken die Sicht versperrten, dann fühlte sie sich so frei.

Dann glänzten ihre Augen voller Vorfreude und die andren verstanden nicht warum.

Aber das Träumen hatte sie nie verlernt, nein es gelang ihr immer besser.

Sie dachte an jenen stillen Ort mit grünen Tannen und frischer Luft.

Ja und eines Tages – das weiß sie genau, wird alles gut werden, wird alles besser.

 

...

Schlüssel

Ich öffne mich dir.

Will, dass du meine Hand hältst,

Weil du mir gefällst.

 

Komm mit

Sommertageglück,

Will die Wärme wieder spür‘n.

Wenn du willst, komm mit.

 

Sein

Einsam, nicht allein

Wenn ich schreibe, kann ich sein.

Singen, lachen, weinen, schrei‘n.

 

...

 

Im Erdbeerfeld

Im Erdbeerfeld sitzen braun gebrannte Leute und Pflücken eine Erdbeere nach den. Die Rücken krumm wie Bananen, aber die Augen strahlend wie die Sonne, die sich nach und nach durch ihre lederne Haut brennt. Ich war noch nie in einem Erdbeerfeld. Also zumindest habe ich noch nie Erdbeeren gepflückt. Aber gegessen. Das ist doch eh viel besser. Ich stehe auf und gehe weiter. Das war vor 3 Jahren im Sommer, als ich sie da zum ersten Mal hab pflücken sehen. Da ging es uns noch gut. Jetzt ist das Erdbeerfeld leer. Menschenleer. Erdbeerleer. Erdbeerleer-lustiges Wort. Ich fühle mich erdbeerleer. Es ist kein Sommer mehr.

...

 

Asche fiel vom Himmel

Asche fiel vom Himmel. Warum? Warum fiel an jenem Tag Asche vom Himmel? Oder war es Schnee? Sie waren sich nicht ganz sicher, ob es Asche war, aber Schnee konnte es nicht sein. Die Flocken waren grau und nicht weiß und sie fielen viel langsamer als Schnee. Schon damals wusste sie genau, dass das kein Schnee sein konnte. Schon damals wusste sie, dass Straßen und Bäume, die in einen kalten, grauen, rußigen Mantel getaucht wurden, etwas Schlimmes bedeuten musste. Heute regnet es wieder Asche vom Himmel. Sie wundert sich nicht mehr. Sie hat schon lange aufgehört sich zu wundern. Heute bleibt sie einfach im Haus und geht nicht raus. Sie wartet, bis es vorbei ist. Bis es aufhört zu schneien.

 

...

 

“Komischer Typ”, dachte sie. Aber hier in ihrem Buchlanden in der hintersten Ecke Londons tauchten viele verrückte Kreaturen auf. Das Sortiment zog nicht unbedingt das angenehmste Publikum an. Aber irgendwas war anders, an diesem gruselig perfekten Mann. Sophie ging ins Hinterzimmer, um ein paar der staubigen Kisten auszuräumen, die der Vorbesitzer des “Books and More” lieblos in einer Ecke des Raums hat stehen lassen. Sophie verdrehte die Augen, schonmal präventiv genervt von den langweiligen konservativen Lektüren, die sich wahrscheinlich auch in dieser Kiste befanden. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Den ganzen Sommer in einem Buchladen zu arbeiten war eigentlich ein feuchter Traum für sie geworden. Aber so hatte sie sich den Laden nicht vorgestellt. So eine öde Ranzbud. Sophie hievte die schwere Kiste zurück in den Laden und wollte sie gerade öffnen, da bemerkte sie ein Taschenbuch auf der Theke neben der Kasse. Der Laden war leer, der komische Typ war weg. Das Taschenbuch war jenes, was eben noch in den mit grauen Handschuhen bedeckten Fingern dieses Wierdos lag. “Eine Nacht am Meer” Gähn. Wieder so ein langweiliger Roman über ein Mord an der Küste Englands, wo die arme Ehefrau eines domninaten reichen Mannes vergewaltigt und zerstückelt wurde. Keine Ahnung, dachte Sophie- aber bestimmt so in die Richtung. Ist doch immer so. Die wehrlose naive Frau und der starke Mann. Blabla. Sophie öffnete das Buch. Auf der ersten Seite klebte ein Zettel. Er fühlte sich kalt an und Sophie bildete sich ein, dass es plötzlich nach Zigarren roch. Auf dem Zettel standen 5 Wörter und 2 Zahlen: “Das, was morgen kommen wird.” Und darüber die Zahl 47.

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Kreativ sein und sich entfalten wie ein Schmetterling durch die kühle Abendluft fliegen. Wir schrieben die lauten, wirren Gedanken auf und bemerkten beim Vorlesen, dass sie gar nicht so wirr sind. Wir begegneten fremden Menschen mit Texten, die einmal Worte im Kopf waren. Wie fasst man ein Gefühl in Worte, dass man fühlen muss, um es zu verstehen? Wenn es eine Emotionspalette gibt, Wort/Laut hat sie alle ausgelöst. Heilen durch schreiben? Und während hier so wild geheilt und geschrieben wird, liege ich krank im Bett.                                                      „Ich bin dafür nicht ausgebildet.“ Einen Satz, den ich hier öfters dachte. Wort/Laut ist sehr viel mehr leise, als ich es vermutet hätte. 

Gong war mein bester Freund, bevor er sich entschlossen hat für den Job aufs chinesische Festland zu ziehen. Seither ist viel passiert. Früher liefen wir zusammen durch die Grünen und im Laufe des Jahres Braun werden Felder. Wir stritten uns um die längsten Halme und flochten diese dann um die Wette. Einmal veranstalteten wir sogar ein Graswettessen. Wer zuerst den Kuhfraß wieder auskotzte, war kein richtiges Dorfkind. Auf 3 ging es los. 1,2,3! Es herrschte ein wildes Durcheinander. Los, weiter, runter damit! - Was der Verstand dabei dachte, ach das war doch völlig egal. Am liebsten nie wieder aufhören. Wer braucht schon den Verstand, wenn stattdessen Spaß zur Verfügung steht? Aber wer stellt eigentlich den Spaß zur Verfügung? Letzten Endes, sind es doch die vielen Impulse im Kopf, die entscheiden, dass etwas spaßig ist. Alles sei eine Entscheidung, sie hörte Ihre Therapeutin in ihrem Kopf reden und hasst es für alles selbst die Verantwortung übernehmen zu müssen.

...

Aus Bad Oldesloe kommt auch Jutta, glaube ich. Das ist der Geburtsort ihrer Mutter, der Frau, die sich im Zweiten Weltkrieg für die andere Tochter und einen Aufbruch nach Schweden entschloss. Jutta besuchte sie nie in Schweden und auch die Mutter kehrte nie nach Bad Oldesloe zurück. Sie lebten in gänzlich unterschiedlichen Welten. Von außen betrachtet könnte man meinen, dass sie sich in ihren unterschiedlichen Welten unendlich weit voneinander entfernt haben. Doch genau das Gegenteil war der Fall. In ihren Kontrasten ließen sie einander klarer und heller strahlen. Sie blieben nicht stehen in ihrer Entwicklung, ihrem Verständnis füreinander und so auch nicht in ihrer Beziehung zueinander. Stattdessen ging sie weiter zusammen, an den Händen haltend - für alle anderen unsichtbar. Manchmal bemerkten sie es selbst gar nicht, dann strahlten in den schönsten Farben, waren der Regenbogen im sonst so regnerischen Tal. Ein Gefühl von Geborgenheit, vermischt mit einer Prise Aufregung, Neugier und Vorfreude machte sich breit. Was für eine schöne Mischung, die Luft schmeckt plötzlich nach gesalzene Erdbeeren, solchen mit denen man sich im Sommer auf Erdbeerfeldern die Bäuche vollschlug.

...

Ich verkrieche mich in meine Decke, wickle mich ein bis ich eine Sushirolle aus Mensch und Wollfetzen bin und sehe dabei nicht aus mir heraus. Es ist dunkel und schwer, also fliehe ich in die zuckrige Leichtigkeit meines schläfrigen Traumzirkusses. Ich sehe die Seiltänzerin. Bekleidet mit einem hellblauen Kleid beginnt sie zu tanzen. Vielleicht ist es das Kleid, was sie zur Leichtigkeit beflügelt. Vielleicht ist es nicht nur ein Stück Stoff, sondern eine flattrige dünne Hülle, die sie umgibt und ihr die Angst vor Stürzen nimmt. Vielleicht ist das Kleid wie ein luftleerer Raum, indem sie die Schwerelosigkeit erlebt. Gleichzeitig verschafft dieser flattrige Raum zwischen ihr und möglichen Eindringlingen eine Art Schutzort. Was könnte dieses Vakuum zum Platzen bringen? Ihr Körper war zu ihrer Familie geworden. Er war alles, was sie besaß, sie konnte nur sich selbst trauen und ließ sich viel Zeit, bis sie jemanden zu sich einlud. Zunächst stellte sie dem Gast dann einige Fragen und verabredete ein safe-word: Orangensaft. Orangensaft? Man sah dem Gast an, dass der sich das Wort durch den Kopf gehen ließ und dann verinnerlicht hatte. 

...

In unserem großen Kinderwagen liegt Moppi und hat die Augen weit aufgerissen mit Blick auf die vielen Sternbilder dessen Namen wir erfanden. Was ist eigentlich dein Sternzeichen?, frage ich plötzlich, weil ich es tatsächlich nicht weiß. Ich bin Wassermann, antwortet sie. Wir haben doch im Februar zusammen gefeiert. Der Tag war regnerisch gewesen und mir schien damals, dass das Wasser unser gemeinsames Element sei. Weißt du das nicht mehr?, fragt sie. Doch, natürlich weiß ich das noch, antworte ich. Der Regen prasseln nur so auf unsere Gesichter, als wir da lagen. Wir lachten und irgendwann verwandelte sich dein Lachen in Schluchzen. Es war ganz unmöglich in diesem Moment zu wissen, was eigentlich Tränen und was Regen war und noch weniger wussten wir woher die Tränen auf einmal kamen. Aber irgendwie waren sie genau das, was wir gerade brauchten. Ein Katalysator, ein Ausbruchsmoment, für all die aufgestauten, verwirrenden Emotionen, die wir miteinander und gegeneinander hatten. Bittersüß, wie Orangenmarmelade, deine dicken Tränen auf mein Knie, ich kostete sie. Ich wollte sie aufhalten, all die Tränen, doch sie liefen und ich hielt dich und all die vielen Sorgen ganz, ganz fest.

Donnerstag, 26.05. 14.17

Ein großer Hof, bunte Bänder wehen im leichten Wind. Im Hintergrund das Klopfen und Hämmern der Kunstwerkstatt. Ich fühle mich an schöne Freiburgbesuche erinnert, während ich Oliwia gegenübersitze und wir beide immer wieder einander anlachen. Das kalte Metall des Stuhles berührt meinen Arm, während ich die Menschen hier sehe: im Schneidersitz wild schreibend, aufs Handy fokussiert, kämpfend mit einer eigenwilligen Kaffeekanne oder im Gespräch vertieft – umgeben von metallischen Skulpturen in einer Oase, die nur hin und wieder das leise Rauschen des Verkehrs eindringt. Plakate springen mir ins Gesicht – jemand kratzt sich nachdenklich am Bein … Einfach nur sein. Zusammen. Allein. Während die Sonne leicht blendet, lässt der Wind die bunten Bänder wieder wehen. BE PART 

...

Donnerstag, irgendwann vor 14 Uhr. 

Weiches Licht fällt rechts durch große Fenster.

Eine flache, ovale, helle Holzplatte. Ein Mensch mit stoppelkurzem Kopfhaar und Lederlatschen hält sie fest, während ein anderer Mensch mit wuscheliger Kurzhaarfrisur sie mit einem ratternden Gegenstand bearbeitet, etwas abschneidet, die Form verändert. 

Hinter einem orangenen, leicht durchscheinendem Plastikvorhang steht ein anderes menschliches Wesen mit einer Eisenplatte auf dem Kopf. Es fliegen helle orange glühende Funken hinter und unter dem Vorhang hervor. Gleißend blaues Licht entsteht an der Stelle, wo ein Zusammenschluss von drei Stangen bearbeitet wird. Hochfrequentes Klirren. Linienförmige Rauchschwaden, wie Pinselstriche, bleiben nach dem Prozess in der Luft hängen. 

Ein anderer Mensch mit langen Haaren ist an das ovale Holzstück herangetreten, die beiden Menschen gestikulieren, blecken die Zähne. In der Mitte des Raums steht ein Stück Holz in der natürlichen Form eines Baumstamms. Ein Mensch hält ein spitzes Stück in der Hand und hackt mit einem anderen Gegenstand so darauf herum, dass kleine Holzstückchen sich aus dem Baumstamm herauslösen. Mal setzt Mensch das Holzwerkzeug von unten an, mal von oben. Mensch wählt ein weiteres Werkzeug aus einem Leinenband aus, nimmt ein Stück in die Hand, bearbeitet den Stamm damit. Hämmern. Mensch mit Kamera bewegt sich durch den Raum, richtet Kamera auf verschiedene Objekte. Menschen stehen an Werkbank. Mensch mit Schleifen im Haar, Glas in der Hand schlendert durch Raum. Wuschelhaar Mensch hält Hand vor dem Mund. Pinke Fingernägel. Mensch zieht ein weißes Tuch aus Hosentasche, zieht es vor die Nase. Mensch nimmt Gerät, schneidet etwas Holz ab während anderer Mensch das Holzstück festhält. Sie sprechen miteinander. Wortfetzen. Laut. Sägender Mensch hält nun die Holzplatte während haltender Mensch einen Griff mit spitzem Metallstift auf Holzplatte richtet, ein Loch entsteht. Wischt Späne von der Platte. Nagellack Mensch nimmt anderes Holzbearbeitungsgerät geht damit ins Loch rein. Lautes, raspelndes Geräusch.

Leichte Bewegung zur Längsseite des Holzstücks, Augen auf Platte gerichtet. Ein Schnitt entsteht, Späne fliegen. 

Anderer Mensch in der Hocke hat Arme und Finger auf der Holzplatte abgelegt. Zeichnet linienförmige Handbewegung. 

Was ich heute gefühlt habe… 

Ist ganz schön viel. Manchmal habe ich Angst viel zu viel zu fühlen, weil ich so viel fühle. Muss mich daran erinnern, dass alle Gefühle da sein dürfen, vor allem auch die anstrengenden und schlechten Gefühle. Daran, dass Gefühle nur eine Art Wegbeschreibung sind. Daran, dass man auf sein Bauchgefühl hören darf, ganz wichtig! Aber auch daran, dass man nicht jedes Gefühl zum Bauchgefühl werden lassen muss. Aber Achtung! Da kommt der Kopf dann mit dazu.

Was ist eine Wegbeschreibung? Und was möchte ich zur Wegbeschreibung umschreiben? Ein Gefühl ist erst einmal nur da, es ist real, echt, dein ganz alleiniges für einem kleinen Moment. Dann verändert es eventuell deine Laune und passt du nicht auf, wird es zu einem Knoten im Magen und du hast plötzlich vergessen wie man Schuhe bindet, und vor allem wie man sie wieder entbindet.

Manchmal wäre da Klettverschluss ganz nice. Habe oft das Gefühl, ich erlaube Gefühlen nicht da sein zu dürfen, wie sie in ihrer reinsten Form da sein wollen. Ich lasse sie of zu einem Knoten werden. Und diesen Knoten verstehe ich dann nicht mehr. Habe vergessen wie man Schuhe bindet, und vor allem wie man sie wieder entbindet. Brauche Klettverschluss, der effektiv dann zu geht und mich hält, wenn ich ihn brauche, aber sich dann auch ganz leicht wieder öffnet, wenn er seinen Zweck erfüllt hat. 

...

Blumenstrauß

Ich bin ein rosa-pinker Strauß im Glas. Es ist bisschen eng hier drin, die Fließe nass, die Köpfe warm. Wie gern würde ich noch auf der Wiese stehen. Voll im Saft und von der frischen Brise umweht. Ich bin halt hier und werde angeschaut. Stattdessen würde ich gern laut sprechen und euch sagen was ich denk. In ein paar Tagen werde ich welken und im Müll laden. Dabei würde ich mir so wünschen, ihr ließet mich einfach wachsen und mich als Lebewesen sehen. Eure Lichter halten mich nachts wach und dabei ist es meine Schönheit, die euch Freude bereitet – doch einmal hat ein Kind von mir gegessen und wurde krank. Da fühlte ich mich schuldig. Früh am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, mag ich am liebsten hier sein. Ich bin hier um euch Freude zu bereiten. Also erinnert auch an die schöne Atmosphäre, die ich euch geschenkt habe.

 

 

POR TE MON NA IE

Ich bin abgewetzt und laufe langsam grau an. 

Ich fühle mich entspannt, auch verschlossen, denn ich liege in der Sonne und werde nicht gebraucht.

Ich wünschte, ich triebe auf dem Grund des Ozeans, liebkost von feinem Sand. 

Meine Beziehungen sind rein praktischer Natur – sagen wir, ich lasse mich benutzen und bin dabei sehr treu.

Ich träume davon, einer sehr liebevollen armen Frau zu gehören, die ihre immergleiche Handtasche trägt, sie pflegt, als wäre sie Teil ihres eigenen Körpers. 

Ich fürchte mich davor, dir irgendwann nicht mehr zu genügen, dass du so reich wirst oder so viele Treuepunkte Karten anhäufst, dass du nach etwas Größerem suchst. 

Ich möchte, dass andere in mir nicht das Billige, den Kitsch, sondern die liebevolle Erinnerung sehen. 

Nachts wach hält mich das Klimpern in meinem Bauch. 

Das Beste, was ich je getan habe, war quer durch Europa zu reisen. Die Schnelligkeit der Züge und Autos fühlt sich an wie Schaukeln auf Wolken. 

Das Schlimmste, was ich je getan habe, ist, nicht für mich einzustehen und zuzulassen, dass du mich irgendwo, an einem beliebigen Ort vergisst.

Ich fühle mich schuldig, weil ich nach obenhin offen bin und so manchmal einiges aus mir herauspurzelt.

Meine liebste Tageszeit ist der Morgen, denn die Fahrradfahrt lässt den Rucksack wippen. 

Ich existiere, um kurzzeitig etwas aufzufangen, etwas zu bewahren, zu schützen, was du für dein Leben brauchst. 

Ich würde gerne, dass ich als flippig, bunt und voller Erlebnisse in der Erinnerung bleibe. 

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